Trailer zu „Ein Talent fürs Morden“ · Video: Tobis Film

Umgeben von historischen Waffen und einer umfangreichen Bibliothek empfängt die schroffe Krimiautorin in ihrem abgelegenen Chalet ihren ungebetenen Gast. Helen Mirren spielt Patricia Highsmith, die mit dem Besucher einen perfekten Mord ersinnt. „Ein Talent fürs Morden“ (A Talent for Murder) läuft seit dem 5. November 2026 in den deutschen Kinos.

Auf einen Blick

  • Helen Mirren spielt Patricia Highsmith erstmals als Hauptfigur eines Spielfilms, an der Seite von Alden Ehrenreich, Olivia Cooke und Juliet Stevenson.
  • Das Drehbuch von Joanna Murray-Smith adaptiert ihr eigenes Theaterstück „Switzerland“ von 2014 und siedelt die Handlung in Highsmiths Rückzugsphase von 1995 an.
  • Regisseur Anton Corbijn kehrt elf Jahre nach „Life“ (2015) ins Kino zurück, erntet bei Metacritic für die 106-minütige Inszenierung aber gemischte 67 Punkte.
TitelEin Talent fürs Morden (A Talent for Murder)
Kinostart Deutschland05.11.2026
Laufzeit106 Min.
AltersfreigabeFSK 12
RegieAnton Corbijn
BesetzungHelen Mirren, Alden Ehrenreich, Olivia Cooke, Juliet Stevenson, James Faulkner
WertungenRotten Tomatoes 85% · Metacritic 67/100
Einspiel weltweit0,7 Mio. US-Dollar

Wer gehört zur Besetzung von Ein Talent fürs Morden?

Helen Mirren und Alden Ehrenreich gestalten das kammerspielartige Duell als gegensätzliche Hauptfiguren. Mirren übernimmt die Rolle der zurückgezogenen Autorin Patricia Highsmith, die ihre Umwelt mit Widersprüchlichkeit und Eigensinn auf Abstand hält. Für die 2007 mit einem Oscar ausgezeichnete Britin ist es nach ihrer Verwandlung in „Golda“ eine weitere reale Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Ihr gegenüber agiert Alden Ehrenreich als der schwer durchschaubare Literaturagent Edward Ridgeway, der bereits im März 2024 für das Projekt verpflichtet wurde. Zur Premiere zählte Mirren 81 Jahre und Ehrenreich 36 Jahre, was das Machtgefälle zwischen der erfahrenen Schriftstellerin und dem jungen Gesandten optisch verschärft.

Ergänzt wird das zentrale Duo durch sechs weitere Rollen, die das enge Figurennetz der Vorlage für die Kinoleinwand erweitern. Im Januar 2025 stießen Olivia Cooke und Juliet Stevenson zum Ensemble. Cooke verkörpert die wohlhabende Erbin Clementine Balfour, die von dem ehrgeizigen Agenten abseits seiner literarischen Mission gezielt umgarnt wird. Stevenson ist in der Rolle der Peggy zu sehen. Komplettiert wird das Aufgebot unter anderem durch James Faulkner als Douglas Balfour und Brid Brennan als Kathryn Grierson. Hamburgs Festival-Leiterin Malika Rabahallah würdigte Mirrens Spiel vorab als präzise und überraschend. Die Britin verleihe selbst ikonischen Figuren Widersprüchlichkeit, Humor und Menschlichkeit.

Helen Mirren als Patricia Highsmith sitzt mit gefalteten Händen vor ihren Bücherregalen in „Ein Talent fürs Morden“
Helen Mirren als Patricia Highsmith sitzt mit gefalteten Händen vor ihren Bücherregalen in „Ein Talent fürs Morden“ · Tobis Film

Reale Kulisse trifft auf fiktives Theaterstück

Das Drama greift Patricia Highsmiths reales Einsiedlerleben in einem abgelegenen Chalet von 1995 auf, entstammt dramaturgisch aber dem Theaterstück „Switzerland“ von Joanna Murray-Smith. Im Jahr 1995 lebte die Kriminalschriftstellerin tatsächlich abgeschieden in den Bergen, umgeben von einer umfangreichen Bibliothek und historischen Waffen. Diese Phase bildet die Grundlage des Films, der unter dem Arbeitstitel „Switzerland“ entstand. Der Film erzählt keine klassische Biografie über mehrere Jahrzehnte. Stattdessen verdichtet er die letzten Monate der Künstlerin auf einen einzigen Schauplatz in den Bergen.

Die eigentliche Konfrontation im Haus entspringt jedoch nicht den Geschichtsbüchern, sondern der Bühnenfassung der australischen Dramatikerin aus dem Jahr 2014. Murray-Smith verfasste für die Kinoversion auch das Drehbuch und adaptierte ihren eigenen Bühnentext für die große Leinwand. Diese Herkunft aus dem Sprechtheater bremst den filmischen Rhythmus spürbar, weil lange Wortgefechte in geschlossenen Räumen überwiegen. Zwar lockert die Produktion von Lunar Pictures und drei weiteren Studios die Optik durch Außenaufnahmen auf, doch der Kern bleibt ein wortlastiges Zwei-Personen-Stück.

Alden Ehrenreich als Edward Ridgeway betrachtet sich im Badezimmerspiegel in „Ein Talent fürs Morden“
Alden Ehrenreich als Edward Ridgeway betrachtet sich im Badezimmerspiegel in „Ein Talent fürs Morden“ · Tobis Film

Wie viel Tom Ripley steckt im Mordkomplott?

Die Begegnung mit dem Verlagsagenten ist eine fiktive Zuspitzung, die den Entstehungsprozess eines sechsten Ripley-Romans in ein amoralisches Verbrechen verwandelt. Im Auftrag ihres unermüdlichen Verlags reist Edward in die Alpen, um der schroffen Autorin ein sechstes Buch über Tom Ripley abzutrotzen. Highsmiths berühmteste Schöpfung gilt als einer der bekanntesten Hochstapler und Mörder der Literaturgeschichte. Zunächst wehrt die Hausherrin den jungen Besucher mit ihrer makabren Fantasie ab, knüpft eine mögliche Zusage dann aber an eine finstere Bedingung. Der Agent soll ihr bei der Ausarbeitung eines perfekten Mordes helfen.

Aus dem literarischen Gedankenspiel erwächst rasch eine psychologische Auseinandersetzung, bei der die Grenzen zwischen erdachter Geschichte und Wirklichkeit verschwimmen. Parallel zu den Sitzungen im Chalet verwickelt der Besucher auch die Erbin Clementine Balfour in ein Geflecht aus Schmeicheleien. Durch diesen Kniff funktioniert die Geschichte wie ein Ripley-Film ohne Ripley, da die Methoden des fiktiven Serienmörders auf die Schöpferin und ihren Gast übergreifen. Im Tonfall erinnert das Katz-und-Maus-Spiel an „Mord mit kleinen Fehlern“ (Sleuth), in dem zwei Generationen ein tödliches Duell der Eitelkeiten austragen.

Gespaltene Kritiken zwischen Schauspielkunst und Drehbuchschwächen

Die Fachkritik lobt das Schauspiel der beiden Stars, bemängelt aber die fehlende Dringlichkeit und die bremsende Metafiktion des Drehbuchs. Für Regisseur Anton Corbijn markiert das Werk die Rückkehr zur Kinoleinwand nach elf Jahren, nachdem er zuletzt 2015 das Drama „Life“ inszeniert hatte. Während die Auswertung bei Rotten Tomatoes 85 Prozent positive Stimmen verzeichnet, vergibt Metacritic 67 von 100 Punkten. Dieses geteilte Echo zeigt sich deutlich im Abstand zwischen der handwerklichen Gestaltung und der dramaturgischen Spannungskurve der 106-minütigen Kinofassung.

In den Fachbesprechungen überwiegt ein geteiltes Urteil über das Kammerspiel. Auf der einen Seite bemängelt Carlos Morales (IGN) das allzu lockere Tempo ohne Dringlichkeit sowie eine Metafiktion, die beide Handlungsstränge vor der Kamera spürbar abschwächt. Demgegenüber lobt Chris Barsanti (Slant) die Darbietungen der Besetzung, da sie die bekannten Typen aus den Büchern clever einbinden und Anspielungen auf das Werk der Autorin die Handlung geschickt würzen. Für Benjamin Lee (The Guardian) fehlt der Inszenierung am Ende die nötige erzählerische Schärfe: „A Talent for Murder fehlt echtes Blut.“ (übersetzt aus dem Englischen).

Häufige Fragen

Welche Altersfreigabe hat Ein Talent fürs Morden erhalten?

Der Thriller hat in Deutschland eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten. Die Auseinandersetzung zwischen der Autorin und dem Literaturagenten ist vor allem als psychologisches Duell über ein fiktives Verbrechen angelegt. Deshalb steht die verbale Konfrontation über expliziter Gewalt.

Seit wann läuft Ein Talent fürs Morden in den deutschen Kinos?

Der reguläre deutsche Kinostart war am 5. November 2026. Zuvor feierte die Produktion am 29. September 2026 ihre Deutschlandpremiere auf dem FilmFest Hamburg. Danach folgte am 23. Oktober 2026 der internationale Start.

Wann erscheint der Film fürs Heimkino?

Tobis Home Entertainment bringt das Krimidrama im März 2027 auf Blu-ray und DVD in den Handel. Als voraussichtlicher Erscheinungstermin für die physischen Discs ist der 26. März 2027 angesetzt.

Fazit

Kinogänger, die geschliffene Wortgefechte und Schauspielkunst auf engem Raum schätzen, sollten das Ticket für das Duell der beiden Hauptdarsteller lösen. Ein echter Hochspannungsthriller ist das Drama allerdings nicht: Die konstruierte Bühnen-Metafiktion bremst das Geschehen spürbar aus. Am Ende beweist der Ausflug in die Alpen vor allem eines. Über den perfekten Mord zu plaudern ist deutlich ungefährlicher, als ein Drehbuch ohne echte Leichen auf Temperatur zu halten.

Quellen: The Guardian, Slant, IGN, Variety

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