Hollywood erlebt erneut eine Phase tiefgreifender Umbrüche. Nach einem intensiven Bieterwettstreit steht fest: Warner Bros. Discovery wird von Paramount Skydance übernommen. Der Vorstand von Warner bewertet das Angebot als überlegen, nachdem sich Netflix überraschend aus dem Rennen zurückzieht.

Doch während auf Unternehmensebene Verträge unterzeichnet werden, wächst in der Branche die Nervosität. Kritik kommt nicht nur von anonymen Brancheninsidern, sondern auch aus der eigenen Historie des Studios.

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„Eine gute Ehe“ oder „Zwangsheirat“? – Das ungewöhnlich scharfe Urteil eines Warner-Nachfahren

Besonders deutlich äußert sich Gregory Orr, ein Nachfahre von Warner-Mitgründer Jack Warner. Gegenüber The Hollywood Reporter warnt er vor den möglichen Folgen der Übernahme. Ihn beunruhigten vor allem doppelte Strukturen und damit verbundene Stellenstreichungen.

Bemerkenswert ist sein Perspektivwechsel: Ursprünglich betrachtet Orr das Netflix-Angebot kritisch, insbesondere wegen potenziell verkürzter Kinoauswertungen. Inzwischen sieht er die Dinge anders. Netflix „biete Warner Bros die stärkste Chance, als traditionsreicher Produzent und weltweiter Anbieter von erstklassiger Unterhaltung zu bestehen“, sagt er.

Sein Vergleich zum Paramount-Deal fällt drastisch aus. Während er den Netflix-Deal als „eine gute Ehe“ bezeichnet, gleiche die Fusion mit Paramount Skydance „einer übereilten Zwangsheirat mit dem eigenen dummen Cousin, und ich fürchte um die Gesundheit der Kinder“. Die Aussage sorgt branchenweit für Aufmerksamkeit – nicht zuletzt, weil sie aus dem Umfeld der Gründerfamilie stammt.

Schulden, Staatskapital und Wettbewerb – Insider äußern Zweifel

Auch aus anderen Ecken Hollywoods kommen skeptische Stimmen. Ein anonymer Studioleiter erklärt gegenüber Deadline: „Allein der Tilgungsplan für die Schulden lässt einen schon schlucken. Wenn Netflix zu diesem Preis keinen Sinn darin sieht, welcher Genius bei Paramount glaubt dann, dass es funktioniert?“

Paramount erhöht sein Angebot zuletzt auf rund 31 US-Dollar pro Aktie – insgesamt etwa 111 Milliarden Dollar. Netflix verzichtet auf ein Gegenangebot mit der Begründung, der Deal sei finanziell nicht mehr attraktiv. Branchenbeobachter rechnen nun mit Kostensenkungen und Budgetkürzungen, um die Schuldenlast zu bewältigen.

Hinzu kommen geopolitische Aspekte. Mehrere Insider berichten, dass Kapital aus Katar, Abu Dhabi und Saudi-Arabien den Deal mit ermöglicht habe. Ein internationaler Branchenveteran merkt an, wachsende staatliche Beteiligungen aus dem Nahen Osten im globalen Medienmarkt würden „wichtige Fragen“ aufwerfen.

Auch politisch bleibt der Zusammenschluss sensibel. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta kündigt eine Wettbewerbsprüfung an. Die US-Autoren-Gewerkschaft warnt, ein weiterer Verlust an Wettbewerb könne „eine Katastrophe für Autoren, Verbraucher und die gesamte Unterhaltungsindustrie“ sein.

Der Deal ist damit zwar vereinbart, aber noch nicht unumstritten. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob Paramount Skydance das Traditionsstudio stabilisieren kann – oder ob die Befürchtungen der Kritiker Realität werden.

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