Kaum eine aktuelle Literaturverfilmung wird so intensiv diskutiert wie Wuthering Heights. Während Teile der Online-Community die Neuinterpretation feiern, reagieren viele Literaturfans mit deutlicher Skepsis. Im Zentrum der Kritik stehen dabei zwei Aspekte: der stark betonte erotische Ton des Films und die Besetzung von Heathcliff mit Jacob Elordi.
Die Verfilmung rückt den klassischen Gothic-Roman von Emily Brontë in ein modernes Licht – eine Entscheidung, die nicht nur ästhetische, sondern auch inhaltliche Fragen aufwirft. Besonders die Auslegung zentraler Figuren sorgt für kontroverse Diskussionen über Werktreue und künstlerische Freiheit.
„Dark-skinned gipsy“ – die Debatte um Heathcliffs Darstellung
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft Heathcliffs literarische Beschreibung. In Brontës Roman wird die Figur früh als „dark-skinned gipsy“ eingeführt, später ist von einem möglichen „American or Spanish castaway“ die Rede. Diese Hinweise prägen Heathcliffs Rolle als Außenseiter und sind eng mit dem gesellschaftlichen Konflikt der Geschichte verknüpft.

Viele Leser sehen darin eine bewusste Abgrenzung vom weißen, englischen Umfeld der Handlung. Entsprechend wird Elordis Besetzung von Teilen des Publikums als Bruch mit der Vorlage wahrgenommen. Die Autorin Mithu Sanyal bezeichnete den Roman in einer Analyse als „postmigrantisch“ und hob hervor, dass Heathcliff zu den ersten literarischen Figuren gehöre, die explizit Rassismuserfahrungen machen. Gleichzeitig bleibt die ethnische Herkunft im Text nie eindeutig festgelegt, was seit jeher Interpretationsspielraum lässt.
„Meine eigene Lesart“ – Regie verteidigt kreative Freiheit
Regisseurin Emerald Fennell reagiert offen auf die Vorwürfe. Gegenüber der Daily Mail beschreibt sie den Film ausdrücklich als persönliche Interpretation eines Romans, der sie seit ihrer Jugend begleitet. Ihr Ansatz sei nicht die möglichst exakte Nacherzählung, sondern eine emotionale Neuverortung der Geschichte.
Auch der vielfach kritisierte erotische Ton ist Teil dieser Lesart. Während der Originalroman eher für düstere Atmosphäre und psychologische Spannung steht, setzt die Verfilmung deutlich stärker auf körperliche Nähe und Intensität. Für einige Zuschauer erweitert das den Zugang zum Stoff, andere empfinden es als Verfremdung eines literarischen Klassikers.
Fest steht: Die neue „Wuthering Heights“-Adaption stößt eine Grundsatzdebatte an – über den Umgang mit Klassikern, über Repräsentation und über die Frage, wie viel Freiheit sich moderne Verfilmungen nehmen dürfen.
FAQ zur neuen „Wuthering Heights“-Verfilmung
Worum geht es in der aktuellen Kritik am Film?
Vor allem um die erotisierte Darstellung und die Besetzung von Heathcliff mit Jacob Elordi.
Warum gilt die Besetzung als umstritten?
Weil Heathcliff im Roman als nicht eindeutig weiß beschrieben wird und diese Eigenschaft für das Narrativ relevant ist.
Ist Heathcliffs Herkunft im Buch klar festgelegt?
Nein, sie bleibt bewusst offen, wird aber mehrfach als „fremd“ markiert.
Wie reagiert die Regisseurin auf die Kritik?
Emerald Fennell spricht von einer persönlichen Interpretation des Romans.
Welche Rolle spielt der Erotik-Aspekt?
Die Verfilmung betont körperliche und emotionale Nähe stärker als die Vorlage.
Feiert ein Teil des Publikums den Film dennoch?
Ja, insbesondere in sozialen Medien wird der moderne Zugang positiv aufgenommen.
Handelt es sich um eine werkgetreue Adaption?
Nein, der Film versteht sich ausdrücklich nicht als klassische Werknacherzählung.