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Animation
Experimentelles Anime für Cineasten: Die Tragödie der Belladonna
Die leidvolle Geschichte des Mädchens Jeanne, dass im Mittelalter von dem herrschenden Fürsten und seinen Vasallen missbraucht wird und danach im Leben kein Glück mehr findet, beruht auf einem Roman des französischen Literaten Jules Michelet (1789-1874). Der Leidensweg der Schönheit und ihr Pakt mit dem Teufel sind Gegenstand und Ausgangspunkt einer psychedelischen Bilderflut, die im Zeitgeist der frühen 1970er Jahre kongenial mit ausufernder Musik unterlegt ist.
Das Animestudio Mushi Productions wurde in den 1960er vom Urvater des Anime Osamu Tezuka begründet. Tezuka war ebenso für „Astro Boy“ verantwortlich wie für „Kimba“ und war stets darauf bedacht, den japanischen Zeichentrickfilm über seine Genre-Grenzen hinweg zu führen. So verlagerte sich auch Mushi Productions auf hochgelobte, experimentelle Kurzfilme und Spielfilmproduktionen mit teilweise explizit sexuellem Inhalt. „Die Tragödie der Belladonna“ ist die letzte Produktion des Studios und Regisseur und Zeichner Eiichi Yamamoto war allein für Belladonna verantwortlich. Leider war das Produktionsstudio schon pleite, bevor der Film in die Kinos kam.
Der Animationsstil der „Tragödie der Belladonna“, der mit Aquarelltechnik, etlichen Stilzitaten und relativ vielen Standbildern arbeitet ist auch aus der Finanznot heraus begründet. Dennoch ist der Film ein herausragendes Dokument geworden, dass dem psychedelischen Zeitgeist Rechnung trägt und ebenso wunderbare wie verstörende Bilder geschaffen hat. Hochgradige kreative Impulse werden von verstörender Erotik kontrastiert, fast gehauchte, blasse Zeichnungen wechseln sich mit farbigen Explosionen ab. Die Choreographie und musikalische Untermalung des Pestausbruches gehören zum wahnwitzig schönsten, was je im Film zu sehen war.
Bei allem Lob sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass „Die Tagödie der Belladonna“ weder zu Entstehungszeiten noch heutzutage annähernd massentauglich war und ist. Der Film ist visuell ebenso fordernd wie bereichernd, und auch in unseren aufgeklärten Zeiten wird sich nur kleine Schar von Filmfreunden an dieses außergewöhnlichen Werk heranwagen.
Fazit: Allein für die Veröffentlichung der „Tragödie der Belladonna“ gebührt Rapid Eye Movies großer Respekt. Endlich ist der Filmgemeinde ein Höhepunkt des experimentellen Films wieder zugänglich. Dennoch bleibt der Film speziell und ist nur für Fans und Waghalsige uneingeschränkt zu empfehlen.
Meine Wertung:
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