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Into the Wild: Die Suche nach dem wahren Leben

mb @ Freitag, 16.01.2009

Anfang der 1990er Jahre tat ein junger Mann in den USA das, woran vermutlich jeder von uns schon einmal gedacht, jedoch nie in die Tat umgesetzt hat. Er ließ sein gesellschaftliches Leben hinter sich und machte sich auf die Suche nach dem wahren Glück.

Chris McCandless war 22 Jahre alt, frisch gebackener Universitätsabsolvent in Geschichte und Anthropologie und hatte die besten Aussichten auf ein gut situiertes Leben, als er beschloss, seine Ersparnisse von 24.000 Dollar der Wohlfahrt zu spenden, sich von all seinem Hab und Gut zu trennen und sein gesellschaftliches Leben hinter sich zu lassen. Völlig mittellos machte er sich auf den Weg zu einem unbekannten Ziel. Bestrebt, den Lügen des materialistischen Glücks zu entrinnen und dem puren Leben ins Gesicht zu blicken.


Offen für jede Art von neuer Erfahrung, begegnete er auf seiner Reise den unterschiedlichsten Menschen, erlebte die skurrilsten Dinge und lebte frei in den Tag hinein, nie sicher, wo es ihn am nächsten Morgen hinverschlagen würde. Nachdem er die unterschiedlichsten Lebensmodelle anderer "Aussteiger" und Lebenskünstler kennengelernt hatte, die für ihn jedoch nie die Erfüllung seiner Bedürfnisse darstellten, wanderte er schließlich in die Wildnis von Alaska. Dort ließ er sich im Wrack eines alten Busses nieder, welches er mitten im Wald fand und reduzierte sein bewusst einsam gewähltes Leben auf das, was nötig war. Tagsüber war er mit der Suche nach Nahrung beschäftigt, den Rest der Zeit verbrachte er mit Nachdenken, Tagebucheinträgen und dem Genießen dieser puristischen Existenz. Ganze 112 Tage verbrachte er auf diese Weise in seiner neuen Heimat, bis er schließlich nach Genuss von giftigen Beeren dem Hungertod erlag.
 

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Nachdem seine Geschichte bereits im Jahre 1996 von dem Autor Jon Krakauer in einem Buch veröffentlicht wurde, wagte sich Sean Penn im Jahre 2007 an die Verfilmung. Mit "Into the Wild" ist ihm dabei ein Meisterwerk gelungen. In eindrucksvollen Bildern, die McCandless's meditative Fokussiertheit auf das pure Empfinden seiner Existenz einfühlsam zum Ausdruck bringen und mit einem Feingefühl, welches den vollen Respekt Sean Penn's gegenüber der Geschichte seines Protagonisten deutlich macht, erzählt er die wunderbare Reise des jungen Mannes, der damit zum Vorbild vieler Aussteiger wurde. Nicht zuletzt wird diese Leistung durch das überzeugende Spiel von McCandless-Darsteller Emile Hirsch unterstützt, der durch seine junge und unbefangene Art die mitreißend naive Lebenshaltung von McCandless perfekt verkörpert hat.
 

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Untermalt wird der Film von einem wunderschönen, ebenso puristisch, wie das Leben von Chris McCandless gehaltenem Soundtrack aus der Feder von "Pearl Jam" Frontmann Eddie Vedder, der sowohl mit einem Grammy als auch mit einem Golden Globe für diese Leistung ausgezeichnet wurde. Vedder, der ein enger Freund von Sean Penn ist und bekanntlich ebenfalls ein sehr nachdenklicher, das Leben hinterfragender Charakter, war die perfekte Wahl um die Gedankenwelt von Chris McCandless in eigenen Versen weiterzuspinnen und sie in klassischer Singer/Songwritermanier für diesen Soundtrack zum Besten zu geben.

In einer Zeit, in der unser Leben vom Materialismus bestimmt wird, wie nie zuvor und der Gipfel des Glücks ein zweiwöchiger Urlaub oder die Anschaffung eines neuen Fernsehers ist, ist die Frage nach dem wahren Wert des Lebens, der ursprünglichen Idee von Glück und Freiheit, aktuell wie nie zuvor. 

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"Into the Wild" enthält weder einen Spannungsbogen noch sonstige, im modernen Sinne unterhaltende Elemente des moderenen Entertainment-Kinos. Um so beeindruckender ist die Tatsache, dass der Film nicht eine Sekunde Langeweile aufkommen lässt. Er ist mehr wie ein Bild, ein Kunstwerk, das zum Nachdenken anregt und das man stundenlang betrachten möchte. Denn er zeichnet das Leben eines Menschen nach, dessen Bedürfnisse ganz tief auch in einem jeden von uns schlummern. Und so werden wir, bewusst oder unbewusst, zu stillen Bewunderern eines Märtyrers, der für den Glauben an das starb, wonach wir alle Suchen: Dem ursprünglichen und unverfälschten Gefühl von Lebendigkeit und Glück.

 

 




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