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Film-Festival
Franks Flimmer-Fest: Tag 7
Unter dieser Rubrik berichte ich Euch täglich vom Filmfest Hamburg, das vom 25.09. bis zum 02.10. läuft. Vor Ort und mitten im Geschehen erfahrt Ihr hier alles, was so passiert und mir so auffällt: Der Mittwoch.
Beinahe den gesamten Tag über renne ich den morgens verlorenen sieben Minuten hinterher. Erst gegen Abend, schaffe ich es wieder ungestresst zur Vorführung zu gelangen. Meine Konzentration und mein Sitzfleisch sind deutlich weniger belastbar als noch vor Tagen. Aber genug gejammert: Gegen die aufkeimende Abstumpfung angesichts der Bilderflut kann ich etwas tun - tolle Veranstaltungen besuchen.
Dennoch beginnt mein Festival-Tag mit einer krassen Fehleinschätzung. Das angepeilte "It's Hard to Be Nice" lasse ich zu Gunsten des Bollywood-Films "Bachna Ae Haseeno" sausen. Aber die Story um die Liebeswirren des jungen Raj entführt mich zunächst in die Schweiz. nicht nach Australien. Schon nach einigen Minuten ist klar, dass die indische Soap um die jungen Leute nichts für Muttis Sohn ist: zu absehbar, zu plakativ - und zu fröhlich. Sorry, ohne Wertung.
Statt dessen schleiche ich mich noch zu den "Produktpiraten"; kein Film, sondern ein Blick hinter die Kulissen im Rahmen des Kinder- und Jugendfestivals "Michel". Die Drehbuchlesung und das Sequenz-Screening einer Folge der Serie "Pfefferkörner stößt bei den Kids auf reges Interesse. Als dann die Drehbuchszenen mit dem Publikum Probe gespielt werden, herrscht beschwingter Trubel, den die anwesenden Profis Katja Kittendorf (Drehbuch) und Matthias Klimsa (Darsteller) locker im Griff haben. Spaßig auch die Fragerunden zwischendurch: "Was kostet eigentlich so ein Schauspieler?" "Wieso, will du einen für deine Geburtstagsparty mieten?" Da war mein Bollywood-Ausflug ja doch noch zu was nütze (8/10 - für diese gelungene Veranstaltung).
Jetzt aber wieder zum Leinwandgeschehen. "Magazin Gap Road", der Erstling von Nicholas Chin, hatte einiges an Vorschußlorbeeren aufzuweisen. Dennoch hat mich die Story über eine Ex-Prostituierte im Jet-Set von Hongkong nicht ganz überzeugt. Die Handlung war mir zu bekannt und absehbar. Die Bilder waren allerdings sehr stylish komponiert, leider nicht auf ganzer Länge konsequent umgesetzt. Für die Handlung war das Tempo zu langsam, für eine Charakterstudie waren die Figuren zu oberflächlich gezeichnet (5/10).
Die lautmalerische Ähnlichkeit des Kantonesisch oder Mandarin (ich kann das nicht auseinanderhalten) zum Dänisch war jedoch ein spaßiger Nebeneffekt.
Ich bleibe in Asien und schaue mir "Machan" an: Orientiert an der wahren Geschichte einer Handball-Mannschaft aus Sri-Lanka, die auf dem Weg zu einem Turnier nach Deutschland verlustig geht, entfaltet sich eine Sozialstudie über die Armut und den Willen aus dem Elend zu entwischen. In diesem Fall mittels eines Visums für Deutschland. Der Film hat seine Momente, beschränkt sich aber zu sehr auf das einfache Erzählen der Story, die sicher wichtig ist, vergibt sich aber so etliches an Potential (5/10).
Auch wahr, aber in Berlin angesiedelt ist der Jugend-Dokumentarfilm "Da kann noch viel passieren" über ein Jahr an einer Berliner Haupt- und Realschule. Gerade in der Pisa-aufgeregten Schuldiskussion ein wichtiger Film, der gewinnt, weil die Schüler aus dem Off ihre eigene Situation kommentieren. Das ist häufig erstaunlich treffend und von tiefgründigem Witz. Allein die Erwachsenen machen dem Rezensenten den Film zu einer anstrengenden Tour-de-Force, einfach weil sie sind, wie sie sind. Mann, ist das anstrengend! Und es zeigt mir am eigenen Beispiel, warum die Schul-Diskussion so aufgeheizt ist. Auf irgendeine Art ist mensch immer involviert, aber ich halte es da eher mit Alice Cooper:"School's out -forever!" (7/10).
Bleiben noch zwei cineastische Highlights: "Tokyo Sonata" und "Stadt der Blinden".
Kiyoshi Kurosawas Familienporträt "Tokyo Sonata" über eine Familie im Zerfall überzeugt mich auf ganzer Linie und bringt mir den japanischen Alltag wieder ein Stück näher. Gekonnt pendelt der Film zwischen alltäglicher Absurdität und den nicht artikulierten Wünschen und Träumen der Hauptpersonen. Im ständigen Spannungsfeld mit den traditionellen Rollenmustern Japans versucht die moderne Familie zurechtzukommen. Oft mit feinsinnigem Humor, beizeiten mit makaberem Genuss führt Kurosama seine Figuren durch ihr Leben. Schöner Film (8/10).
Schön kann man Fernando Meireilles Verfilmung von Jose Saramagos "Stadt der Blinden" beim besten Willen nicht finden, doch die Parabel über den Verfall der menschlichen Gesellschaft ist werktreu geblieben und filmisch sehr angemessen umgesetzt. Glücklicherweise ist kein "Zombiefilm" entstanden, statt dessen wird der Zuschauer mit der Gabe der Blindheit vor Blick auf das Übelste bewahrt. Beklemmendes Kino (8/10).
Und meine persönlichen Top 5? Bleiben nach heftigem Überlegen wie gehabt, auch wenn "Tokyo Sonata" und "Stadt der Blinden" mit Nachdruck an der Tür kratzen.
1."Frozen River", 2."Terribly Happy", 3."Of Time and City", 4."Eldorado", 5."Sunshine Cleaning".
Upps, schon wieder so spät?
Bis morgen.
Meine Wertung:
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