Die Kunst zu gewinnen - Moneyball
Underworld Awakening
Dame, König, As, Spion
Zettl
Die Summe meiner einzelnen Teile

Film-Festival

Franks Flimmer-Fest: Tag 6

fs @ Mittwoch, 01.10.2008

Unter dieser Rubrik berichte ich Euch täglich vom Filmfest Hamburg, das vom 25.09. bis zum 02.10. läuft. Vor Ort und mitten im Geschehen erfahrt Ihr hier alles, was so passiert und mir so auffällt: Der Dienstag.

filmfest1.jpg

Unter dieser Rubrik berichte ich Euch täglich vom Filmfest Hamburg, das vom 25.09. bis zum 02.10. läuft. Vor Ort und mitten im Geschehen erfahrt Ihr hier alles, was so passiert und mir so auffällt: Der Dienstag.

Heute habe ich es nicht leicht: Trotz meines Filmpensums, habe ich das dringlicher werdende Gefühl, auch ganz schön viel verpasst zu haben, aber all die guten Filme, die ich nicht sehe, würdige ich beizeiten gesondert. Das "Staraufkommen" ist merklich geringer als noch am Wochenende, doch das legt sich spätestens zum Abschluss des Festivals wieder. Immerhin sind zu den meisten Filmen im regulären Programm auch Filmschaffende da, die Rede und Antwort stehen. Das erwartet man schließlich auch von einem Filmfest.

cinetrend-komentar_v2.jpg


Gegen harte Konkurrenz vom Kinder-Filmfest und sehenswertem Alternativprogramm aus Belgien und Schweden, setzt sich "Idiots and Angels" durch, ganz einfach, weil ich kaum glaube, den Film sonst jemals wieder sehen zu können.

Bill Plymtons cartoonesque animierte Story "Idiots and Angels" über einen garstigen Nörgler, dem plötzlich Engelsflügel wachsen, die ein Eigenleben führen ist dann auch die erhoffte Abwechslung. Die parabelhafte Geschichte, die großteils in einer Bar spielt, überzeugt mit bösem Witz, guter Musik und vor allem dem skizzenhaften Animationsstil (7/10).

"Cut Loose" dagegen entführt mich auf charmante, unterhaltsame Weise in das Innenleben des belgischen Journalisten Tom, der sich neben seinem Lokalreporter-Dasein auch noch mit Liebesverwirrungen und dem Sterbewunsch seines krebskranken Großvaters auseinandersetzen muss. Der Reporter hat ein wenig von einem Nick Hornby Charakter, der sich weigert erwachsen zu werden, klug daherredet, aber dann doch immer Ausreden findet, nicht zu handeln. Die Story ist gut gebrochen und locker erzählt, ohne den nötigen selbstironischen Biss vermissen zu lassen. Nebenbei konnte ich mich an Sprachfreuden weiden: Auf Flämisch heißt der furchtsame weiße Mann lustig "de bange bleeke man", das kann auch gut als Motto des Film durchgehen (6/10).

Der dänische Beitrag "Fear Me Not" hält nicht ganz, was ich erhofft habe. Dennoch ist die Story um den Familienvater Michael in der Midlife-Crisis sehenswert und sehr gut gespielt. Während seiner Arbeits-Auszeit nimmt er an einer Versuchsreihe für ein neues Antidepressivum teil, die kurz darauf wieder eingestellt wird. Michael nimmt das Medikament trotzdem weiter und mutiert langsam zum Manischen. Sich selbst beobachtend und Tagebuch führend manipuliert er die Menschen in seinem Umfeld immer mehr, bis er den Bogen schließlich überspannt. "Fear Me Not" ist irgendwo zwischen Psychogramm und Psychothriller angesiedelt, verzichtet aber unaufgeregt auf Shock-Effekte (6/10).

Die anschließende israelische Komödie "Noodle" hat mir auch Spaß gemacht. Die Stewardess Miri kommt wie die Jungfrau zum Kind: In diesem Fall zu dem sechsjährigen Sohn ihrer Chinesischen Putzfrau, als diese plötzlich abgeschoben wird. Was also tun mit dem Kind? Trotz der Handlung mit funktionierendem Kindchenschema, ist "Noodle" vor allem ein Film mit tollen Frauenfiguren und mit viel tragikomischem Humor. Gelungene Unterhaltung vor einem ernsten Hintergrund (7/10).

Soviel dazu. Ein roter Faden, der meine Filmauswahl begleitet, will sich mir nicht erschließen, auch die Top 5 bleiben unangetastet. Ein unaufgeregter Dienstag.

Bis morgen.





Anzeige: