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Film-Festival

Franks Flimmer-Fest: Tag 5

fs @ Dienstag, 30.09.2008

Unter dieser Rubrik berichte ich Euch täglich vom Filmfest Hamburg, das vom 25.09. bis zum 02.10. läuft. Vor Ort und mitten im Geschehen erfahrt Ihr hier alles, was so passiert und mir so auffällt: Der Montag.

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Die Disziplin an Bord lässt nach, die Mannschaft murrt, Meuterei liegt in der Luft...

War nur ein Witz. Ich bin einfach zu spät unterwegs und niemand unterschätze die Verletzungsgefahr der Platzsuche im Dunkeln. Mein Timing ist heute grenzwertig, aber dazu später mehr. Tratsch fällt heute aus, nach dem Wochenende war's alles etwas relaxter. Also ran an meinen Filmtag und die neue Top 5.

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Der belgische Roadmovie "Eldorado" (auch der Abschlussfilm des Festivals) startet meinen Tag mit schrägen Typen und feistem Humor. Der "Oldtimer-Händler" Yvan überrascht den Junkie Eli in seiner Wohnung, kriegt ihn aber nicht unter dem Bett hervorgescheucht. Auch am nächsten Tag wird Ivan den neuen Kumpel nicht los und so finden sich die beiden auf der Fahrt zu Elis Eltern an der französischen Grenze wieder. Wer die beiden schon schrullig findet, kann sich auf wirklich absurde Gestalten freuen, denn die beiden Hauptfiguren wirken im direkten Vergleich normal. Toller Film (8/10).

Zu "Bonjour Sagan" komme ich zu spät, was aber nicht weiter tragisch ist, da die Filmrolle eh nicht vor Ort ist. Der arme Mensch, der der nöhlenden Pressemeute das Alternativprogramm vorstellt, hat's wirklich nicht leicht. "Bonjour Saigon" hat denn auch fast Freudsche Versprecherausmaße, aber ein solches Fiasko wie der Vietnamkrieg ist das Vertauschen von Filmrollen keinesfalls.

Das Alternativprogramm ist die kroatische  Komödie (?) "Kino Lika", über drei Charaktere in einem Hinterwäldler-Bergdorf. Wo ich schon mal da bin, gebe ich dem Film eine Chance - getreu dem Bokonon-Motto: "Seltsame Reisevorschläge sind die Tanzstunden Gottes "(Kurt Vonnegut). Aber nach einer halben Stunde, saufendem Gepöbel und dem wiederholt halsstarrigen Verhalten eines durstenden Bergbauern mit krankem Kind habe ich genug, schließlich habe ich schon einige Randgestalten über die Leinwand wanken sehen. "Caution: Daydreaming can seriously damage your Health". Eine Wertung maße ich mir denn auch nicht an, war einfach nicht meins.

So führt mich der Reisevorschlag also nicht nach Kroatien, sondern nach Südafrika. dort spielt "Die Sieben von Daran", ein Abenteuerfilm für Jugendliche. Der weiße Held Jimmy muss einen Stammeskrieg verhindern, als ihm eine magische Giraffe den Auftrag erteilt. Hilfe erhält er dabei von der Taschendiebin Charita, die zwar in der Stadt lebt, aber zu einem der Stämme gehört. Zusammen erleben die Beiden actionreiche Abenteuer und am Ende wird alles gut. Klassisches Abenteurkino für Jugendliche in modernem Gewand mit ethnischem Hintergrund und einer Moral. Nicht nur ich fand's klasse (7/10). Nebenbei war's auch toll eingesprochen und ohne Untertitel.

Vom Kinderfilmfest zum Sozialdrama mit Kind. In dem französischen Drama "Versailles" geht es um die ganz unten in der Gesellschaft. Eine obdachlose Mutter lässt, um Arbeit zu finden, ihren kleinen Sohn bei einem Einsiedler (sagt die Filminfo, für diesen im Wald lebenden Aussteiger). Der nimmt die ungewollte Verantwortung notgedrungen an und ist so gezwungen, seine Lebensweise zu hinterfragen. Ein leiser, irgendwie poetischer, aber anstrengender Film mit wichtigem Thema. Dennoch lässt er mich ratlos stehen, weil die Figuren letztlich doch nicht aus ihrer Haut können (6/10).

Zum Schluss noch ein Schmankerl für Freunde des dänischen Kinos: "Terribly Happy". Der Kopenhagener Polizist Robert wird strafversetzt und landet in einem Kaff in Südjütland an der Westküste - sowas wie das dänische Dithmarschen, nur böser. Die verschworene Dorfgemeinschaft hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie Dinge so laufen müssen und ihre eigene Universallösung für Probleme: das Moor. Fremde mag hier schon gar keiner. So findet sich sich Robert mit einer attraktiven Frau und einem eifersüchtig prügelnden Ehemann konfontiert, mit einem drogensüchtigen Quacksalber und spurlos verschwundenen Leuten. Es wäre nicht dänisch, würde es nicht rabenschwarz eskalieren. Westküstenblues mit einigen Moorleichen. Nicht umsonst heißt der Polizist Robert und findet sich häufiger auf der Kreuzung im Moor wieder. So mag ich das (8/10).

Womit sich meine persönlichen Top 5 umkrempeln:

1."Frozen River", 2."Terribly Happy", 3."Of Time and City", 4."Eldorado", 5."Sunshine Cleaning".

Was habe ich heute gelernt? Pass auf, mit wem du Karten spielst.

Bis morgen.





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