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Film-Festival
Franks Flimmer-Fest: Tag 3
Unter dieser Rubrik berichte ich Euch täglich vom Filmfest Hamburg, das vom 25.09. bis zum 02.10. läuft. Vor Ort und mitten im Geschehen erfahrt Ihr hier alles, was so passiert und mir so auffällt: Der Samstag.
Eigentlich sagt der Norddeutsche ja Sonnabbend, aber der Tag ist schon der gleiche. Zuerst einmal Entschuldigung für diese Textklumpen, die ja eigentlich ein journalistisches "Geht gar nicht" sind, aber in der Kürze der Zeit ist das Einarbeiten von Bildmaterial gerade nicht drin. Mea culpa.
Auch am Sonnabend war wieder der ein oder andere Promi unterwegs. Zur Premiere vom "Feuerschiff" war die komplette Crew anwesend, im mittäglichen Schnackpunkt ging es um Krimis und Stadtgesichter. Maria Ketikidou ("Großstadtrevier") und Markus Knüffken ("Notruf Hafenkante") plauderten aus dem Nähkästchen.
Und jetzt noch Werbung für das Kinderfilmfest "Michel": Leute geht da hin, es lohnt sich! Tolle Filme, alle deutsch eingesprochen und garantiert gute Stimmung im Saal. Heute schaffe ich es auch endlich, und ich freue mich.
Großer Publikumsandrang war beim "Feuerschiff" ebenso zu erwarten wie auch bei der in jedem Jahr beliebten Filmreihe "Hamburg Damals", dass allerdings die Vorstellung der Sprachforscher "The Linguists" so proppevoll war, hat mich doch erstaunt. Aber davon später mehr. Mein Filmtag war vollgepackt, und es waren ziemlich gute Filme dabei.
Die poetische Doku "Of Time and City" macht den Anfang. Terence Davies ganz persönliche Hommage (und sein Abgesang) auf Liverpool hat mich wirklich begeistert. Dokumentarische Alltagsaufnahmen, architektonische Betrachtungen und ein wundervoll vorgetragenes episches Gedicht als Roter Faden für den Film entwarfen eine außergewöhnliche Sicht auf die Stadt am Mersey (8/10).
An das mexikanische Drama "The Desert Within" hatte ich hohe Erwartungen, die nicht alle erfüllt wurden. Immerhin wurde der Film über die religiöse Verblendung eines armen Bauern, der daraufhin mitten in der Wüste mit seinen Kindern eine Kirche baut, mit Preisen und Lob überschüttet. Cineastisch war das sehr überzeugend: tolle, stimmungsvolle Bilder und surreale Gemäldepassagen, aber inhaltlich war mir das zu katholisch. Nicht, dass ich was gegen archaische, alttestamentarische Handlung hätte, aber die Unausweichlichkeit der Geschehnisse war mir doch zu schicksalsergeben (7/10).
Die slovenische Komödie "Tractor, Love und Rock'n'Roll" erfüllte auch nicht das, was sie versprach bzw. was ich erwartete. Die Story über den Bauern, der die E-Gitarre und den Rock'n'Roll ins Slovenien der 60er bringt, war dann doch zu harmlos. Detlef Buck überzeugte mit seinen ländlichen Themen weit mehr und auch von der überbordenen, balkanesken Lebendigkeit eines Emil Kusturica fehlte jede Spur. Nett und mit lustigen Szenen - wer benutzt schon Maiskolben als Lockenwickler - aber nicht auf ganzer Linie überzeugend (5/10).
Die "Linguists" hingegen waren sehr interessant. Wann kommt man schon mal in den Genuß, Sprachforscher bei der Suche nach aussterbenden Sprachen zu beobachten. Die beiden Wissenschaftler kamen auch recht "nerdig" rüber, und die Doku lebt auch davon, dass den Beiden beim ersten Kontakt häufig ziemlich viel in die Hose geht. Filmisch im Handkamera-Stil und auf Dauer etwas anstengend zu schauen. Guter, inhaltlich wichtiger Film, aber eindeutig nur für Interessierte, trotz des großen Andrangs (6/10).
Das Vorprogramm der Linguistem bildeten die "Micromovies" von "Das Vierte" umgesetzte Drehbuchideen für 100-Sekunden-Filme. Nette Idee, nur leider beschränkte sich das inhaltlich auf mehr oder minder gelungene Sketche, nach dem häufig gleichen Strickmuster: Darstellung einer Szene und überraschende Auflösung. Da wäre mehr drin gewesen, hätte man sich mehr Experiment getraut (4/10).
Zum Abschluss gab's für mich dann noch die Sigfried Lenz Verfilmung "Das Feuerschiff". Eine TV-Produktion mit Jan Fedder und Axel Milberg, auf die sich die Fernsehzuschauer jetzt schon freuen können. Ein sehr gelungener Film: spannend, und tatsächlich lenzmäßig unaufgeregt. Ich kenne zwar die beiden anderen Verfilmungen nicht, aber dies hält jedem Vergleich stand. Wenn ich das jetzt (unfairer Weise) in Beziehung setzte zu "Die Schimmelreiter", ist "Das Feuerschiff" einfach in jeder Hinsicht eine andere Liga (Produktion, Geld, Drehbuch, Filmidee). Sehr guter Film (7/10).
Was habe ich also mitgenommen vom 3. Tag, außer tiefen Augenringen?
1. Meine bisherigen Top 3: "Frozen River", "Of Time and City", "The Visitor".
2. Den Spruch von C. G. Jung, geäußert in "Of Time and City" und als Motto des Tages durchaus angebracht für alle gesehenen Filme: "Wir begegnen unserem Schicksal auf der Straße, die wir wählen, um ihm auszuweichen."
Bis morgen.