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Film-Festival
Franks Flimmer-Fest: Eröffnung
Schrullig genug, dass jeder (wirklich jeder) über den "Roten Teppich" ins Kino muss. Johanna Wokalek ("Nordwand", "Baader -Meinhof-Komplex") hat dann erwartungsgemäß auch das heftigste Blitzlichtgewitter ausgelöst. Immerhin wurde der Auflauf dann aber in den Kinos übertragen, so dass ich mich, wäre ich schon da gewesen, beim Betreten des Cinemax hätte auf der Leinwand sehen können. Als dann alle saßen, gab's eine Eröffnungsmoderation mit schöner Musik. Die beiden Moderatoren doppelten ihre Ansagen und sangen dann zur Ukulele ein feines Lied.
Die Begrüßung des Festival-Leiters wurde von den beiden mit "Sounds of Silence" eingeleiten, der Bürgernmeister Ole von Beust mit einer bahnbrechenden Version von "Highway to Hell" empfangen (Ukulele und Falsett - nett). Die Redner haben sich kurz gefasst und hatten so ihre Momente: Der Bürgermeister zog mehr Geld für die Filmförderung aus dem Gepäck und wollte die ganze Horde zur Party ins Alstertal entführen, nicht wie geplant ins Alsterhaus.
Festival-Chef Wiederspiel stellte fest, dass heutzutage nur noch Filmfeste die Gelegenheit bieten, einen Überblick über das Filmschaffen zu bekommen, da die Lichtspielhäuser in ihrem Programm doch sehr limitiert sind. Das liegt naturlich auch an mangelder Nachfrage seitens der Zuschauer (hat der Chef nicht gesagt). Dann ließ es sich Mister "Hamburger Filmfest" nicht nehmen, die Gäste in Saal 3 gesondert zu begrüßen, wie anno dunnemals die Menschen aus den Neuen Bundesländern. Ich als "Neu-Zoni" fühlte mich damit ganz wohl, auch und gerade weil hinterher kein Schaulaufen der "Nordwand"-Crew obligat war.
Film gab's auch: "Nordwand" von Phillip Stölzel. Nach einer wahren Begebenheit schildert der Film einen missglückten Besteigungsversuch der Eiger-Nordwand 1936, der propagandaträchtig aufbereitet werden soll und dramatisch endet. Der Film hat großen Unterhaltungswert und ist ziemlich gut, wenn auch teilweise zu typisch besetzt. Tukur gibt wie so häufig den jovialen Chef und Machtmenschen, der dann doch noch menschelt, Führmann ist der sinnierende Naturbursche. Die cineastisch gelungendsten Momente sind auch die am schwierigsten zu schauenden: so realistisch wie möglich in der Bergwand. Es ist also dunkel, oder es herrscht Nebel oder Schneesturm.
Orientierungslosigkeit des Zuschauers als gelungenes Stilmittel. Es wäre allerdings verkürzt zu behaupten: Am besten sei der Film, wenn man nichts sehen kann. Gegen Ende war es mir dann ein bisschen zu viel - zuviel Drama, zuviele Streicher. Seit Armageddon ist es häufig angesagt, fast voyeuristisch draufzuhalten, wenn tiefe Gefühle rüberkommen sollen. Und die Frostbüddel in der Wand sehen dann ja auch nicht mehr so lecker aus. Aber das ist heute wohl so Usus.
Wie auch immer: "Nordwand" war ein guter Opener und ist ein sehenswerter Film, der sicherlich ein Publikumserfolg wird (6/10).
Bis morgen.
PS: Ach ja, ganz dicker Tipp zum Festival: der Filmfestblog. Falls jemand genug auf die Augen bekommen hat und sich in Hamburg tummelt, hier gibt's zur Abwechslung auf die Ohren: Seiteneinsteiger