Porträts

Anthony Minghella verstorben

fs @ Mittwoch, 19.03.2008

Gestern, am 18. März 2008, ist der britische Filmemacher Anthony Minghella ("Der Englische Patient", "Unterwegs nach Cold Mountain") überraschend in London gestorben. Im Alter von nur 54 Jahren erlag er inneren Blutungen, die in der Folge einer Operation auftraten.

Die Familie des Verstorben wurde vom Ableben des Filmemachers ebenso überrascht wie die Filmwelt. Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent hinterlässt zahlreiche begonnene und offene Filmproduktionen.

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Der Sohn italienischer Eltern war einer der umtriebigsten und geschäftigsten Persönlichkeiten der Filmbranche. Als Regisseur war sein größter Erfolg die Verfilmung von Michael Ondatjes Bestseller "Der englische Patient" mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle. Der Film konnte 1996 neun Oscars abräumen, darunter "Bester Film" und "Beste Regie". Für die Verfilmung schrieb Minghella auch das Drehbuch.

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Mit seinem Regiedebüt "Truly Madly Deeply" ("Wie verrückt und aus tiefstem Herzen"), einer romantischen Komödie machte Anthony Minghella 1990 erstmals als Regisseur auf sich aufmerksam. Zuvor war er seit 1980 als Drehbuchautor im Filmgeschäft unterwegs. "Mr. Wonderful" mit Matt Dillon und Anabella Sciora, seine zweite Regiearbeit, wurde 1993 nicht gerade zum Hit. Der gelang aber mit dem "Englischen Patienten". Danach drehte Minghella mit etlichen Stars sehr erfolgreiche Filme. "Der talentierte Mr. Ripley" mit Matt Damon, Jude Law und Gwyneth Paltrow, Cate Blanchett und Phillip Seymour Hoffman ist eine gelungene Neuverfilmung des Thrillers von Patricia Highsmith. Unter den Titel "Plein Soleil" (nur die Sonne war Zeuge) hatte sich Alain Delon 1960 schon als Tom Ripley präsentiert.

Seinen Erfolg und seine Kontakte nutzt Minghella, um auch Projekte zu finanzieren, die ihm am Herzen lagen, so die kurze Beckett-Verfilmung Play (2000, 16 min.) mit Alan Rickman und Krhistin Scott-Thomas und Juliet Stevenson. Der Brite begann sich als Produzent zu engagieren und war an Filmprojekten wie Tom Tykwers "Heaven" (2002), Philip Noice's Graham Greene Verfilmung "The Quiet American" ("Der stille Amerikaner", 2002, mit Michael Caine) und Noices' Apartheid-Drama "Catch a Fire" (2006, mit Tim Robbins) sowie Sydney Pollacks Werk "Die Dolmetscherin" ("The Interpreter, 2005) beteiligt. Zuletzt hat er "Michael Clayton" mitproduziert.

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Als Drehbuchautor und Regisseur war er mit dem amerikanischen Bürgerkriegsdrama "Unterwegs nach Cold Mountain" (2003) sehr erfolgreich. Sein letztes Filmprojekt "Breaking and Entering" (2006, mit Jude Law und Robin Wright Penn) fand trotz filmischer Qualitäten nicht das erhoffte öffentliche Echo.

Zuletzt arbeitete Anthony Minghella an dem noch fertiggestellten "The No. 1 Ladies Detective ", ein Film über die erste weibliche Detektivagentur in Botswana. Nach Angaben der "internet movie data base" war Minghella noch an fünf weitere Projekten beteiligt, deren Zukunft bisher nicht geklärt ist.





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