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20 Geigen auf St.Pauli: Von wegen Katzenmusik

fs @ Freitag, 29.06.2012

Das außergewöhnliche Unterrichtsprojekt, schon Zweitklässlern das Geige spielen beizubringen, und zwar allen, ist eine Herausforderung. Doch an der Gesamtschule im Hamburger Stadtteil St. Pauli hat die Musikerziehung Erfolg und ist in zischen zu einen festen Bestandteil geworden. „20 Geigen auf St. Pauli“ begleitet den charismatischen Lehrer und die Schüler.

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Was für Normalsterbliche einer akustische Horrorvorstellung ist für den Musikpädagogen Gino Romero-Ramirez arbeitsalltag: Eine Klasse voller Siebenjähriger, die alle mit einer Geige bewaffnet sind, und nun lernen, diese auch zu spielen. Doch das Projekt hat Erfolg und seit einigen Jahren unterrichtet der kolumbianische Musiklehrer nun Schüler in Schulen in dem Kiezstadtteil St. Pauli und in Altona das Geige spielen.

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Ermöglicht wurde das Projekt durch einen Sponsors, der den Schülern die Instrumente zur Verfügung stellt und durch die unbändige Geduld des Lehrers, der den Kindern von Grund auf und in sehr spielerischer Weise die Geige und das Musizieren näherbringt. Dabei geht es beileibe nicht um die Förderung außergewöhnlich begabter Schüler, sondern um eine Bereicherung des Erfahrungsschatzes jedes einzelnen Kindes.

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Hamburg St. Pauli ist kein begüterter Stadtteil und der Stadtbezirk, der hauptsächlich für seine Rotlicht-Meile weltberühmt ist sozial stark durchmischt und von Gegensätzen geprägt. Auch der Kolumbianer Gino Romero-Ramirez landete eher zufällig hier und hat das Beste aus seiner Situation gemacht. Der studierte Musiker und Komponist begann zunächst Trommelunterricht für Grundschüler anzubieten. Doch seine Überzeugung, dass Kinder in der Schule auch kompliziertere Instrumente erlernen können, ermöglichte das 20 Geigen Projekt.

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Nach der Suzuki-Methode brauchen die Kinder dazu keine Noten zu können und die ersten Stunden der Zweitklässler sind dazu da, sich dem Instrument langsam zu nähern: Da geht es um die Spielhaltung, das Verständnis für die Geige und das erzeugen erster Töne. Doch schnell stellen sich Erfolgserlebnisse ein und nach kurzer Zeit kann die Klasse erste Leider spielen. Der Geigenunterricht dauert bis zum Ende der vierten Klasse an, dann beginnt der Unterricht mit neuen Schülern von vorne. Inzwischen sind aus den 20 Geigen 250 geworden und der Musiklehrer Gino hat eine feste Anstellung, was seine engagierte Arbeit wesentlich erleichtert.

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Doch der Dokumentarfilm von Alexandra Grammatke und Barbara Metzlaff bleibt nicht in der Schule stecken, sondern zeigt auch ein Stück Alltagsleben in dem Hamburger Stadtteil und zeichnet so ein kleines Stimmungsvolles Stadtteilportrait. Auch die Geschichte von Gino Romero-Ramirez kommt über den Musikunterricht hinaus zur Geltung und zeigt ganz leise auf, mit welchen Schwierigkeiten, Problemen Ängsten und Hoffnungen Immigranten in Deutschland zu tun haben.

„20 Geigen auf St. Pauli“ ist eine Produktion der Thede, einem Zusammenschluss dokumentarischer Filmmacher, der gleichzeitig Verein und Produktionsfirma ist und seine Doku-Perlen selbst vertreibt. Filmisch ist die Doku im Stil des Direkt Cinema schlicht und schnörkellos gehalten und so authentisch wie möglich.

Fazit: Der Dokumentarfilm „20 Geigen auf St. Pauli“ zeigt, dass mit Engagement und Geduld Einiges möglich ist. Gerade im Bereich der Bildung ist der Geigenunterricht für eine gesamte Klasse ein Projekt, das Schule machen sollte.




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