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Hara-Kiri: Die Not des herrenlosen Samurai

fs @ Montag, 18.06.2012

Man könnte den Eindruck bekommen, der Takeshi Miike würde nur Remakes alter Samuraifilme drehen. Dabei zählt der japanische Regisseur zu den umtriebigsten Filmmachern in Japan, doch davon bekommt man in Europa nicht mehr viel mit, schade eigentlich. Nach „13 Assassins“ erscheint nun also „Hara-Kiri“ und bleibt in der Ästhetik stecken.

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Innerhalb kurzer Zeit erscheint nun schon der zweite Ronin (herrenlose Samurai) in der Festung des Fürsten Ii, mit der Bitte dort rituellen Selbstmord begehen zu dürfen. Nach kurzer Bedenkzeit lässt der Verwalter den Samurai ein und hört sich dessen Anliegen an. Zur Abschreckung erzählt er dem Todeswilligen die Geschichte desjenigen, der vor ein paar Tagen mit der gleichen Bitte hier erschienen war. Denn dieser junge Samurai wollte im Grunde gar keinen Selbstmord begehen, sondern hoffte auf Mildtätigkeit. An ihm hat das Haus des Fürsten ein Exempel statuiert, bevor die Unsitte vorgetäuschten Seppukkus unter den Ronin um sich greift. Dem momentanen Bittsteller ist die Geschichte wohl bekannt, und er versichert seine Absicht Seppuku zu begehen, doch zuvor erzählt auch er seine Geschichte, bei der sich herausstellt, dass er den jungen Samurai ziemlich gut kannte. 

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Der „Seppuku“ betitelte Originalfilm wurde 1962 von Masaki Kobayashi gedreht und zählt zu den Meilenstein des Samurai-Genres, das ja ähnlich funktioniert wie die amerikanischen Western.  Wie schon bei „13 Assassins“ inszeniert der japanische Regisseur Takeshi Miike („Blues Harp“, „Krieg der Dämonen“) die Fabel von Ehre, Elend, Liebe, Not und Rache neu und mit großem Stilbewusstsein. Dass der Film in 3D gedreht wurde kommt zwar in der DVD und Blu-ray-Version nicht zum Tragen, aber man kann erahnen, dass diese zusätzliche Dimension dem stilvollen Ambiente des Films nur zu Gute kommt. Man kann sich allerdings auch des Eindrucks nicht erwehren, dass es nur schneit, damit das 3D besser zur Geltung kommt.

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Stilistisch ist „Hara-Kiri“ auch durchaus ein Augenschmaus, die Kulissen, die zeitgemäße Inszenierung, die Kampfchoreographie, und die Darstellung der Schauspieler, in ihrer Heimat allesamt Stars, sind sehr überzeugend und es erstaunt einen schon, wie es Takeshi Miike seit zwanzig Jahren schafft, regelmäßig mindestens (!) zwei Filme pro Jahr zu drehen.

Doch die bildliche Qualität von „Ichimei“, so der Originaltitel, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte im Grunde auserzählt ist, bevor der Film überhaupt beginnt. Mit der den Samurai üblichen emotionalen Undurchdringlichkeit werden die typischen Themen wie Ehre, Rache, und Leibe mit wenig Dialog und versteinerten Mienen zu Markte getragen, ohne dass daraus eine entsprechenden dramatische Spannung erwachsen würde. Miike lässt sich viel Zeit das Elend des Ronin Kageyu (Kojo Yashuko)  zu entfalten, wobei dessen eigentliche Absicht relativ schnell klar wird. Erstaunlicher Weise kommt es dann aber doch nicht zu dem Miike-typischen Gemetzel.

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Allerdings sind die Themen und Motive in anderen Samuraifilmen deutlich mitreißender gefilmt worden. Das Original, das hierzulande bislang unveröffentlicht war, ist der Special Edition der Blu-ray beigefügt (OmU) und wer sich dem direkten Vergleich selbst stellen will, ist mit dieser Edition deutlich besser bedient. Mir ist Kobayashis Film nicht bekannt, doch „Hara-Kiri“ von Takeshi Miike kann auch so nicht überzeugen.

Fazit: Die Geschichte ist zu zäh, zu absehbar und zu klischeebeladen, in der Art wie sie erzählt wird, so dass am Ende nur die gelungene bildliche Umsetzung bleibt, mit der „Hara-Kiri“ überzeugt. Für 126 Minuten ist das zu wenig.
 




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