Kino-Trend

Faust: Mit den Händen im Matsch

fs @ Freitag, 20.01.2012

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Man sollte sich Alexander Sokurows „Faust“–Verfilmung nähern wie einem ambitionierten Theaterstück, das sehr frei mit der klassischen Goethe-Vorlage umgeht. „Faust“ will kein Mainstream-Kino sein, sondern verfolgt eine künstlerische Vision. Folgerichtig ist Sokurows Faust zeitgemäß nihilistisch, filmisch experimentell und visionär, aber auch zäh und ansteckend pessimistisch.

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Der große russische Regisseur hat sich einiges vorgenommen und macht es dem Publikum nicht gerade leicht. Schon die Entstehung des Film ist eigenwillig und fast manisch: Goethes „Faust“ wird in dem Drehbuch von Sokurow und Yuri Arabow umgedeutet und sehr frei interpretiert. Aus Respekt vor der deutschen Kultur wurde der Film mit großteils deutschen und österreichischen, also sprachmächtigen, Schauspielern auf Deutsch gedreht, um dann anschließend nachsynchronisiert zu werden. Zumeist von den Schauspielern selbst. Nur der Mephisto beziehungsweise der Wucherer Adam Adasinsky, wurde, obwohl er sein Tanztheater seit Jahren in Dresden betreibt, von „Sponge Bobs“ Synchronstimme vertont.

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Doch damit nicht genug, Sokurow entscheidet sich auch gegen alle Kino-Gewohnheiten für ein Bildformat von 1: 1,33, also einen fast quadratischen Film.  Dieser versieht die Geschehnisse von vorherein mit bizarrem Surrealismus. Außerdem arbeitet “Faust“ häufig mit Speziallinsen, die die Gesichter seltsam verzerrt und absurd erscheinen lassen.

Auch inhaltlich lehnt sich der Film-Faust weit aus dem Fenster und siedelt den Doktor Faust (Johannes Zeiler) in einer Stadt kurz vor der Moderne an, Mechanik bestimmt das Bild und auch die Weltsicht, doch von neumodischem, fantastischen  Steampunk weit und breit keine Spur.

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Der wissensdurstige Professor ist ein Handwerker geworden, der mit ungerührter Mine und Kittelschürze mit bloßen Händen in den Eingeweiden von Leichen wühlt, um die Seele zu finden, an deren Existenz er freilich selbst nicht ernsthaft glaubt. Dafür ist ihm der Handlanger Wagner (Georg Friedrich) so treu ergeben, dass es im Duett fast wie eine Frankenstein-Parodie wirkt.

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Doch der ehrenwerte Doktor hat Geldsorgen, die sein pragmatischer, als Armenarzt arbeitender Vater (Sigurdur Sulason) nicht zu mildern bereit ist. So bleibt dem Faust nur der Wucherer (Adam Adasinsky), der selbstredend auf die Seele des Professors aus ist; sonst hat der Gelehrte ja auch nicht viel als Pfand zu bieten. Letztlich philosophiert sich das ungleiche Paar über alltägliche Belanglosigkeiten zum ausweglosem Ende, an dem Faust seine Schuld zu begleichen hat und Mephisto in die Unterwelt begleiten muss.





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