Fernsicht

Blockbuster und Box Office

fs @ Donnerstag, 15.09.2011

Der aktuelle Boom der 3D Filme hat nicht nur Auswirkungen auf unsere Sehgewohnheiten im Kino, sondern auch auf die Einspielergebnisse in den Kinos und auf die daraus entwickelten Bestenlisten, genannte Box Office. Da stritten sich jüngst "Die Drei Musketiere" mit "What a Man".

[Ansichten am Donnerstag 15.9.2011]

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Normalerweise sagt Beliebtheit noch lange nichts über die Qualität aus, insofern könnte man das Problem eigentlich ignorieren. Doch Anfang September schwappte die Frage erneut an deutsche Gestade, als nämlich „Die Drei Musketiere“ und „What a Man“ sich um das beste Ergebnis am Starwochenende stritten; ausnahmsweise mal zwei deutsche Filmproduktionen. Recht hatten erstaunlicherweise beide, je nachdem, ob man sich die Zuschauerzahlen oder den Umsatz beim Kartenverkauf ansieht. Während die Haudegen den meisten Umsatz machten, lockte Matthias Schweighöfers Komödie die meisten Zuschauer ins Kino.

Dem Kinogänger mag‘s egal sein, aber es hat wirtschaftliche und werbetechnische Konsequenzen, denn wie auch im Leistungssport ist der olympische Gedanke „Dabeisein ist alles“ längst der kapitalistischen Realität gewichen. Nur wer ganz oben auf dem Treppchen steht, hat auch Erfolg gehabt, wenigstens was den Markt für Blockbuster angeht.

Die Frage ist grundsätzlich: Steht der Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung oder sein wirtschaftliches Handeln, die Größe des Haufens, den er setzt? Beide Betrachtungen folgen ihrer eigenen Logik und sind in sich schlüssig, auf Dauer ist es allerdings enervieren, immer eine parallele Liste zu führen, um beides zu erfassen. Früher war das einfacher: Zuschauer ist Ticketverkauf ist Umsatz. (Den Überlängenzuschuss lassen wir mal außen vor.) Der Zuschlag auf den Eintrittspreis ist bei 3D Filmen heute Gang und Gäbe, schließlich mussten die Lichtspielhäuser für teuer Geld umgerüstet werden und die Kosten werden via Eintrittspreis an den Zuschauer/ Endverbraucher weitergegeben.

Das führt dann zwangsläufig zu dieser zwiegespaltenen Sichtweise und der Betonung des wirtschaftlichen Aspektes im Handeln des Einzelnen. Und der Trend lässt sich trotz der grundsätzlichen Probleme der Gesellschaft, die gerade daher rühren, dass häufig nur noch das Finanzielle zählt, nicht aufhalten.

Ein Kompromiss zwischen den beiden Sichtweisen ist nicht möglich und man muss sich wohl entscheiden, aber - und das ist das Schöne am Kapitalismus – man kann die Sichtweise stetig wechseln. Je nachdem, was einem besser gefällt. Fehlt nur noch, dass man den Verzehr des Filmpublikums heranzieht, um den Filmerfolg zu messen. Aber das tun die großen Kinokomplexe ja sowieso längst. Schließlich haben sie ihre Bruttoeinnahme in Deutschland von 2005 bis 2010 - trotz Dauergequengel über die ständig schlechtere Zuschauerzahl und hohe Kosten - von 745 auf 920 Milliarden steigern können. Während die Zuschauerzahl mit 127 Millionen gleich geblieben ist (Zahlen nach"Brand eins" Augabe 9/2011).

Der mündige Kinogänger mag daraus nun seine Schlüsse ziehen und seine Marktmacht entsprechend steuern: Bei 3D Filmen kein Popcorn mehr? Autorenfilme nur noch mit doppelter Portion und mindestens zwei Getränken oder freiwilligem Kunstzuschlag? Oder vielleicht doch lieber in das eigene Heimkino investieren, da stört auch Nachbars Handy nicht mehr. 





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