Die Kunst zu gewinnen - Moneyball
Underworld Awakening
Dame, König, As, Spion
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Die Summe meiner einzelnen Teile

Fernsicht

Was sehen die anderen, das ich nicht sehe?

mb @ Montag, 09.08.2010

Sie hat mich von jeher beschäftigt, die Frage danach, warum einigen Menschen etwas gefällt, was andere nicht ausstehen können. Besonders dringlich beschäftigt mich die Frage dann, wenn ich der einzige zu sein scheine, dem etwas nicht gefällt.

Dieser Tage ist unter Cineasten ein Film im Dauergespräch: Christopher Nolans "Inception". Es versteht sich von selbst, dass auch ich - angeteasert durch bombastische Trailer und begeisterte Kritiken - nicht lange zögerte und mir einen teuren Platz im Sweetspot meines Lieblingskinos zur Prime Time sicherte. Gerüstet mit 5 Kilo Popcorn und einer Wanne voll Cola bereitete ich mich mental auf einen zweieinhalbstündigen Trip der Superlative vor. Und auch der bis unter die Decke ausverkaufte Kinosaal schien zu vibrieren vor Spannung. Das Licht erlosch und die ersten Minuten flimmerten über die Leinwand.

Die Backen voller Popcorn, hielt ich gespannt in meiner Wanne Cola sitzend inne und beobachtete meine überschwängliche Vorfreude dabei, wie sie in etwas umschlug, das ich im ersten Moment nicht näher definieren konnte. Mit jeder weiteren Minute des Spektakels wurden die Umrisse jedoch deutlicher und mir wurde klar, dass es Verwirrung in Form eines gewaltigen Fragezeichens war, das da schwer auf meiner Stirn lastete. Was passiert da jetzt gerade? Wer träumt wovon? Ist der jetzt wirklich tot? Und stinkt mein Sitznachbar nach Knoblauch oder hat hinter mir jemand die Schuhe ausgezogen? Ich wusste es nicht. Vorsichtig schaute ich mich um und sah, wie das Publikum kollektiv gebannt auf die Leinwand starrte. Ich fühlte mich, als sei ich als einziger aus der Matrix geplumst.

Na gut, dachte ich mir, ich sollte nicht zu schnell urteilen. Immerhin geht der Film noch etwa 10 Stunden, da kann ja noch einiges passieren. Und tatsächlich - schon kurze Zeit später brachte Nolan Licht ins Dunkel. Bin ich ihm doch tatsächlich auf den Leim gegangen. Kurzerhand stöpselte ich mich wieder an die Matrix und gab dem Film eine weitere Chance. Doch entweder war ich mittlerweile selbst eingeschlafen und man hatte mir den unermüdlichen Gedanken "Mir ist langweilig und es wird sich nie wieder ändern" eingepflanzt oder der Film wollte einfach nicht aus dem Knick kommen.

Ja, nett anzuschauen war das schon, was Nolan beinahe ohne Computereffekte auf das Zelluloid gebannt hatte, aber spannend ist irgendwie anders. Trotz aller Ernüchterung war ich entschlossen, den Faden nicht noch einmal zu verlieren und so ließ ich mein Gehirn auf Hochtouren laufen, um Leonardo DiCaprio in jede Traumebene zu folgen - ich hätte ihm jederzeit sagen können, in wessen Traum er gerade welchem Gedanken ans Bein pisst, ehrlich - den großen Clou des Films wollte ich mir nicht vermiesen lassen, nur weil ich mal eine Sekunde nichtgeplatzte Popkörner zählte. Und dann kam sie: Die Erlösung! Das Licht ging an, aufgeregtes Schnattern ergoss sich über die zuvor so schweigsame Meute an Zuschauern. Was für ein Ende! Wie? Was soll das heißen, das ist nicht das Ende? Was? Pause? Ach so...aber der Film läuft doch schon seit 5 Stunden...ich muß doch eingeschlafen sein und mich auf der sechsten Traumebene befinden...da läuft die Zeit schließlich langsamer.

Na gut, auf ein Neues. Mit einem frischen Eimer Käsenachos und einem Karton Eiskonfekt ging's in die zweite Runde. Ach, jetzt geht's erst los! Das ist ja gewieft...aha, die schlafen also jetzt alle...und der auch, oder wie? Wo kommen die denn jetzt her? Schlafen die auch? Und was macht die komische Frau schon wieder da? Schnell ließ ich meinen Notstrom-Prozessor anlaufen, um den roten Faden wieder zu finden und Tata! Ich war wieder auf der Höhe. Aber so richtig spannend ist das jetzt nicht, frage ich verunsichert meinen Sitznachbarn. Doch der hört nicht, er scheint Vebrechern in Träumen hinterher zu jagen...oder er ist hirntot. Am Ende komme ich zu dem Schluß, dass zwischen diesen beiden Zuständen kein großer Unterschied besteht. Handwerklich hat mich "Inception" zwar vollends überzeugt, sah schick aus, hörte sich toll an. Aber inhaltlich war mir Nolans Traumkonstrukt doch ein wenig zu langatmig, verworren und hanebüchen.

Gerade wollte ich mich erheben und siegessicher in die Runde prosten, dass das wohl ein Satz mit X war, "von wegen Blockbuster" und so. Da starre ich in die vor Begeisterung leuchtenden Augen eines ganzen Kinosaals. "Der beste Film, den ich je gesehen hab" höre ich jemanden nuscheln. "Der absolute Hammer" raunt es aus der anderen Ecke. Was? Lief hier noch ein anderer Film? Hab ich vergessen, die 3D Brille aufzusetzen? Habt ihr was gesehen, das ich nicht gesehen habe? Offenbar schon - oder können Geschmäcker tatsächlich so unterschiedlich sein?





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