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Fernsicht
Remakes im Tal der lebenden Toten
Das sind die Remakes von heute. Eine bekannte Idee, die sang- und klanglos wiedervermarktet wird und den Geldbeutel noch ein wenig stopfen soll. Aktuelles Beispiel ist Michael Bays „A Nightmare on Elm Street“, Remake des Horrorklassikers „Nightmare – Mörderische Träume“. Dreh- und Angelpunkt ist die Horror-Ikone Freddy Krueger, im Original von Robert Englund gespielt. Das Remake kann höchstens 15-jährige Teenies begeistern, die mit dem Original nicht das Geringste anfangen können.
„Klaut“ man nun schon den Stoff eines Klassikers, sollten die netten Herrn der Produktion und Kreativabteilung wenigstens dazu fähig sein, neue Aspekte einzubringen, das Thema von einem anderen Standpunkt beleuchten und sich nicht sprichwörtlich auf dem bereits Geschaffenen ausruhen – frei nach dem Motto: der Erfolg kommt ja so oder so…
Aber nicht nur Freddy Krueger verkommt nach dem Neuanstrich. Auch der Musical-Film „Fame“ darf sich über eine moderne Auffassung freuen und versagt im Vergleich zum Original auf ganzer Linie. Remakes unterliegen grundsätzlich dem Fluch, stets mit dem erstklassigen, erfolgreichen und oftmals hochgelobten Original verglichen zu werden und da liegt auch der wunde Punkt.
Hin und wieder liegen vielleicht doch ein paar Juwelen zwischen den glanzlosen Neuverfilmungen. Über Peter Jacksons „King Kong“ lässt sich vielleicht streiten, doch wenigstens ist es ihm gelungen, dem mächtigen Affen eine beispiellose Optik zu verpassen, indem Jackson alle technischen Register zog, die vor fünf Jahren möglich waren. Das war im Original leider nicht möglich. Oftmals gilt auch die Regel: Je älter das Original, desto unbeschwerter kann das Remake daherkommen.
Denn gerade Remakes von den 80er Jahre-Klassikern wie eben „A Nightmare on Elm Street“, „Fame“, "Freitag, der 13.“ oder „Kampf der Titanen“ sind bei Kritikern und Publikum gescheitert. Zu viele schwelgen gern in Erinnerung und sind dann enttäuscht, wenn die Neuverfilmung nicht den Charme des Vorgängers versprüht, weil die Besetzung falsch gewählt ist oder das Drehbuch eher in die Mülltonne gehört. Neufassungen von alten Schinken zum Beispiel aus den 40ern oder 50ern sind in der jüngeren Generation weit weniger verbreitet.
Auch die Aussichten auf bessere Remakes halten sich bedeckt. Produzent und kreativer Kopf Robert Rodriguez bastelt derzeit an der Neuauflage von „Predators“. Noch ein 80er Remake könnte man jetzt stöhnen. Zwar hat Rodriguez zuvor bereits gesagt, dass er die Geschichte nicht nacherzählen, sondern etwas Eigenes kreieren möchte, doch ob sein Vorhaben aufgeht und er die „Predators“ noch einmal in neuem Licht erstrahlen lassen kann, erfahren wir erst im Juli.
Viel größere Befürchtungen sollten wir bei „Karate Kid“ haben, mit Will Smiths Sohn Jaden und Actionstar Jackie Chan in den Hauptrollen. Hat der Film bei den Fans des Originals überhaupt annähernd eine Chance? Bei ihnen wohl kaum, aber vielleicht bei der jüngeren Generation, die nicht in den Genuss des wahren Mister Miyagis‘ kommen konnte und so mit Jackie Chan Vorlieb nehmen muss.
Die Chance, ein zufriedenstellendes Remake zu sehen, ist zwar mit Sicherheit höher als eine Goldene Palme in Cannes zu gewinnen, doch wie stehen die Chancen wirklich, wenn Michael Bay Kultfilm für Kultfilm eine Neufassung verpasst?