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Film-Festival
Franks Flimmer-Fest 09: Tag 8 - Donnerstag
Doch der erste Tageseindruck gebührt einer Programmänderung bei den Tagesvorführungen, statt "Helen" gibt es "The Passion of Gabriel", der auch oben auf meiner Liste stand, ich überlege kurz, ob ich doch nicht im Büro auftauche, entscheide mich dann aber für Pflicht statt Film.
Die Musik-Dokumentation "All Tomorrow's Parties" braucht nicht mal bis zur Titeleinblendung, um mich zu fangen. Ich weiß nicht genau was es ausmacht, dass ich Filme über Musik so genieße. "ATP" hatte ich ursprünglich nur als "kann man sehen, wenn sich's ergibt" eingestuft, doch die Doku über das legendäre alternative Musikfestival, das jährlich in England stattfindet, entpuppt sich als Hammer.
Jedes Jahr wird das Programm von einem Musiker oder einer Band zusammengestellt und hat einen ganz eigenen Charakter. Es geht um die Musik und einen Gegenentwurf zum Business und der Event-Kultur. Das funktioniert nun schon seit zehn Jahren und hat sich zu einer festen Kult-Größe entwickelt, ohne seinen Charakter zu verlieren.
Regisseur Jonathan Caouette greift für seine Doku auf Filmmaterial zurück, dass Festivalbesucher und Musiker aufgenommen haben, reichert es an und lässt dem Geschehen unkommentiert seinen Lauf. Das funktioniert erstaunlich gut, ist eine überbordende, mitreißende Mixtur und gibt die Idee des "All Tomorrow's Parties" -Festivals perfekt wieder.
Zugegeben, als Zuschauer hilft es, wenn man die Musik mag und mit den Bandnamen was anfangen kann (im wesentlichen Post-Rock), aber notwendig ist es nicht. Man bekommt eine Idee, worum es bei Musik überhaupt geht. Für mich ist "ATP" eindeutig der Musikfilm des Jahres, besser noch als "It Might Get Loud", und ein Pflichttermin für Muikfans mit offenen Ohren. (9/10)
Der nächste Film "Applause" ist ebenfalls ein Festival-Pflichttermin, war doch Hauptdarstellerin Paprika Steen auch auf dem Festival zu Gast und stand im "Kulturgespräch" Rede und Antwort.
"Applause" handelt von der erfolgreichen Theaterschauspielerin Thea, die ein Alkoholproblem hat, an dem ihre Ehe zerbrochen ist. Ihre beiden Söhne leben bei ihrem Ex-Mann und dessen neuer Frau.
Während Thea jeden Abend auf der Bühne in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" eine Trinkerin spielt, versucht sie ansonsten ihr Leben zu ordnen, wieder Kontakt zu ihren Söhnen zu bekommen und mit dem Trinken aufzuhören.
Dramaturgisch und filmisch ist der dänische Film schon sehr sehenswert, doch das Thema ist nicht gerade neu. "Applause" bietet vor allem eine grandiose und intensive Performance der Ausnahmeschauspielerin Paprika Steen. Mit beeindruckender Leinwandpräsenz, zugegeben unterstützt von der Kameraführung, ringt sie sich von einem Augenblick zum nächsten, ohne dabei jemals an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Eine der besten Leistungen, die ich beim Filmfest sah. Dennoch ist "Applause" als Film "nur" gut. (7/10)

