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Film-Festival

Franks Flimmer-Fest 09: Tag 6 - Dienstag

fs @ Mittwoch, 30.09.2009

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Mein Dienstag auf dem 17. Filmfest Hamburg ist geprägt von leeren Kinos. Was mich nicht weiter stört, sofern die Filme Spaß machen - beinahe Privatvorführungen bei "Casto" und "Off the Edge" zum Abschluss dann doch noch eine proppevolle Abendvorstellung von "Max Manus".

Ich bin mal wieder zu spät unterwegs und komme abgehetzt im Abaton an, nur um auf der Leinwand Leute durch eine südamerikanische Stadt rennen zu sehen. Ich habe zwar keine Ahnung, warum die das so eilig haben, aber es trifft meine Stimmung.

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"Castro" des argentinischen Regisseurs Alejo Moguillansky greift Motive aus Becketts Roman "Murphy" auf, sagt zumindest die Filminfo. Um das nachzuvollziehen, ist meine Lektüre zu lange her. Wie auch immer: Die Hauptfigur Castro ist auf der Flucht vor Samuel, der ihn aus unerfindlichen Gründen ebenso sucht, wie Castros Ehefrau Rebecca hinter ihrem Gatten her ist. Der arbeitsscheue Taugenichts ist indes mit seiner Geliebten unterwegs, die von ihm verlangt, dass er sich eine Arbeit sucht.

Die findet er dann auch: in einem mysteriösen Paketdienst, dessen einzige Beschäftigung in einer Art rasendem Auto-Staffellauf quer durch die Stadt besteht. Ich verstehe das genausowenig wie Castro, nehme es aber als schönes Bild für das moderne Wirtschaftsleben.

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Überhaupt bleibt in "Castro", wie auch bei Beckett, vieles kryptisch und ich gestehe, dass ich den Film nicht verstanden habe. Allein für diese Anregung und für die vielen schönen Szenen gebührt dem Film Anerkennung. Sicher ist "Castro" keine leichte Kost, macht aber auch Spaß und hat neben wilder Rennerei und lustigen Autostunts auch tolle, schnelle Dialoge zu bieten. (8/10)

Und als hätte sich der Film in die Realität geschlichen, offenbart man mir bei der Pressevorführung, die ich abseits des Filmfestes besuchen wollte, dass die Veranstaltung ausfällt, da die Kopie verschwunden ist. Niemand weiß, wohin der Kurier die geliefert hat. Getreu dem Bokonon-Motto, das "unerwartete Reisepläne, die Tanzstunden Gottes sind" (Vonnegut) nutze ich die nicht mehr verplante Zeit.

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"Once upon a Time Proletarian" ist der nächste Film, den ich mir anschaue. Eigentlich von mir als Doppelpack und im direkten Vergleich mit "She, a Chinese" gedacht, beide von der Regisseurin Xiaolu Guo, wirkt das dokumentarische zwölfteilige Portrait des modernen China auch für sich genommen. Der Film beschert Einblicke in die   Randexistenzen eines postkommunistischen Staates, in dem es auch nur noch um Geld geht. Zusammengehalten werden die Episoden von einer Horde Kinder, die kleine Parabeln und Geschichten vorlesen. Als Dokumentarfilm ist "Once upon a Time" lehrreich und wichtig, aber filmisch eher konventionell gehalten. Man erkennt Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zu unserer Gesellschaft. Ach ja, voll war es im Kino auch nicht gerade. (5/10)





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