Fifty Shades of Grey – Fragwürdig

Der dritte Teil von Fifty Shades of Grey kam vor ein paar Tagen in die Kinos und wirft bei mir ein paar Fragen auf…

Betrachten wir die Handlung und die darin gezeigte Beziehungskonstellation drängt sich nur ein Begriff auf: Hierarchie.

Die naive, mittellose und unerfahrene Studentin Anastasia Steele trifft auf den reichen, abgebrühten Christian Grey, dessen sexuelle Vorlieben im BDSM angesiedelt sind.

Das hierarchische Abhängigkeitsverhältnis von Anastasia setzt sich den ganzen Film hindurch fort. Sie unterschreibt einen Vertrag, damit er sich überhaupt auf diese Beziehung einlässt. Während in der Realität solche Verträge oft gemacht werden um Grenzen abzustecken gehen diese doch normalerweise nie über den Akt oder das Spiel hinaus. Anders im Film. Grey bestimmt Steeles Privatleben, wie viel sie schläft, was sie isst, was sie anzieht und somit ihr gesamtes Leben natürlich mit Verschwiegenheitsklausel. Es darf ja niemand wissen was der nette Herr Steele so alles treibt.

Man könnte das etwas seltsame Gefühl daß hier etwas nicht ganz richtig ist mit der Ausrede sie hat ja freiwillig unterschrieben von sich wegschieben. Aber so einfach ist es nicht, bedenkt man welche Macht solche Psychospielchen ausüben können und wie leicht sie naive unerfahrene Menschen zu Dingen verführen können die sie eigentlich nicht wollen.

Zwar warnt Grey sie ab dem ersten Moment davor sich mit ihm einzulassen, trotzdem manipuliert er sie in einer perfiden Art und Weise bis sie glaubt sie könne nicht anders und ihre Gefühle für ihn seien zu stark. Diese Worte hört man sehr oft von vom Partner missbrauchten Frauen welche Gefühle mit Abhängigkeit verwechseln. Aber ich schweife ab.

Die sich entwickelnde Beziehung zeigt daß die beiden gegensätzliche Bedürfnisse haben, welche wiederum durch geschlechterspezifische Rollenklischees geprägt sind. Sie sehnt sich nach einer Beziehung und ist betroffen von seinen Zurückweisungen. Er will ein Sexspielzeug, was er mit markigen Macho-Sprüchen klar macht.

Der Film beinhaltet meines Erachtens nach ein Problem indem da er ein unserer heutigen Zeit fragwürdiges Beziehungsbild transportiert. Anastasia bietet in ihrer Unerfahrenheit und Naivität gerade für junge Frauen, welche ja auch in die Kinos stürmen, ein hohes Identifikationspotential. Sie erträgt Dinge welche sie eigentlich gar nicht will. Aber sie erträgt es für ihn, weil sie glaubt ihm dadurch helfen zu können, da er nach Problemen in der Kindheit endlich Zugang zu seinen Gefühlen finden soll. Die Lektion die sie und die Zuschauerinnen dadurch lernen ist daß man für seine „wahre“ Liebe Opfer bringen muß und sich eben manchmal komplett dem Mann unterwerfen muß (nicht nur sexuell). Ein bisschen Misshandlung sei schon ok. Zum Dank wirst du dann geliebt. Und ein bisschen gefällt es dir ja auch. Wirklich?

Und das alles unter dem Deckmäntelchen der Selbstbestimmung, der Freiwilligkeit. Bestimmt hat das gar nichts mit einem patriarchalischen Weltbild zu tun…….

Ist Fifty Shades of Grey dadurch skandalös? Nein. Der Film reproduziert nur Stereotypen welche uns tagtäglich begegnen und vorgeführt werden. Es wird uns als „normal“ verkauft.

Sowohl die männlichen Begierden als auch die Frau als Objekt und Projektionsfläche welche diese Begierden erfüllt.

Der Film zeigt uns keine gleichberechtigte Liebesbeziehung. Anastasia ist Grey auf allen Ebenen unterlegen. Er hat Geld, sie nicht. Er hat Erfahrung, sie nicht. Er agiert selbstständig, sie in Abhängigkeit.

Fifty Shades of Grey zeigt uns viele Elemente häuslicher und emotionaler Gewalt. Im Film Anastasia sich dem hin, als Teil der Spannungskurve.

Für den Mann bietet der Film eine Ausrede sich nicht mehr um die Bedürfnisse und Gefühle seiner Partnerin kümmern zu müssen – ganz dem pornotypischen Bild entsprechend. Schließlich macht sie es ja alles freiwillig.

Die Frau akzeptiert scheinbar willig ihren Objektstatus.

Auf diese perfide Weise erklimmt dieses Mach(t)werk die Bestsellerlisten und füllt die Kinosääle.

Und eben dieser Erfolg hinterlässt diesen schalen Geschmack wenn man darüber nachdenkt.

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