Suicide Squad Kritik – DC auf Selbstmordkurs

„Was, wenn Superman beschlossen hätte das Dach des Weißen Hauses aufzureißen und den Präsidenten aus dem Oval-Office zu holen? Was, wenn der nächste Superman ein Terrorist ist?“, fragt Amanda Waller (Viola Davis) die Generäle des US-Militärs missmutig. Mit dieser brisanten Frage im Hinterkopf, wird der „Suicide Squad“ als eine Truppe von Individuen mit besonderen Fähigkeiten gegründet, um sich übermenschlichen Bedrohungen entgegen zu stellen. Dass keines der ausgewählten Individuen auch nur den Hauch einer Chance hätte, etwas gegen Superman auszurichten – geschenkt. Die Prämisse ist spannend. Kombiniert mit dem Charme einer bunten Anti-Heldentruppe, eigentlich ein gutes Rezept für einen unterhaltsamen Film. Schade nur, dass davon auf der Leinwand herzlich wenig zu sehen ist.

Wer sind die und was wollen sie hier?

In einer etwas wirren Eröffnungssequenz, wirft uns der Film zu jedem Charakter ein paar Fetzen Hintergrundgeschichte hin, die viele Fragen offen lassen. Allen voran, warum der Charakter „Boomerang“ (Ein Alkoholiker, der einen Boomerang wirft) Teil dieses Films ist. Smiths Deadshot tötet Menschen für Geld, ist jedoch ein liebevoller Vater und wird verhaftet weil er vor seiner Tochter niemanden erschießen kann. Ein typischer Smith Archetyp, nur mit weniger unterhaltsamen Sprüchen auf den Lippen als sonst. Harley Quinn (Margot Robbie), die zweite Ausnahme im ansonsten völlig eindimensionalen Antihelden-Kabinett, ist erst quir­lig unterhaltsam, dann auf wahnsinnige Art rührselig. Leider wird der Charakter in der zweiten Hälfte des Films überstrapaziert und nutzt sich ab.

Besonders ernüchternd: Die bizarre und spannende Hintergrundgeschichte von Harley Quinn und dem Joker (Jared Leto), die dreiviertel der Trailer des Films füllte, ist kaum zu sehen und wird selbst dann nur zerstückelt erzählt. Was eine Bonny und Clyde Geschichte auf Speed hätte werden können, verliert sich in zusammenhanglosen Mini-Szenen. Hinzu kommt, dass Leto den Joker zwar kompetent, aber nicht übermäßig bemerkenswert spielt. Der Scarface-Verschnitt Letos kann, mit den genial-manischen Nihilisten wie sie Heath Ledger oder Jack Nicolson verkörperten, nicht mithalten. Schauspielerisch sticht lediglich Viola Davis, als eiskalte Bürokratin Amanda Waller hervor. Ihre Rolle ist nicht nur ein herrlich unverbrauchte Typ, sondern auch eine einschüchternde Präsenz in sämtlicher Ihrer Szenen.

Oops I did it again… Eine Handlung auf Abwegen

Was die Handlung angeht bekleckert sich Suicide Squad ebenso wenig mit Ruhm. Im Vorfeld vermuteten viele Fans, dass es der Suicide Squad mit dem Joker aufnehmen müsse. Dies ist aber leider nicht der Fall. Wer ist also der Gegenspieler? Es sei nur so viel verraten: Die Lösung ist auch gleichzeitig die Ursache des Problems. Das die Protagonisten sich einem völlig übermächtigen Gegner gegenübersehen, verschärft das ohnehin massive Problem von Logiklücken des Drehbuchs. Denn auch wenn in einem Film mit wandelnden Krokodilmenschen andere Gesetze gelten, muss er einer inneren Logik folgen. Figuren sollte innerhalb dieser plausibel agieren. Hier scheitert Suicide Squad an mehreren Stellen.
Umso schwerer wiegt es, dass auf einen sinnvollen Gegenspieler wie den Joker, zugunsten der brachialen Action, verzichtet wurde. Der Joker hätte einen plausiblen Grund geliefert, warum ausgerechnet Kriminelle und Psychopathen losgeschickt werden (und Harley Quinn überhaupt dabei ist), denn nur sie können ihn verstehen und sollten sie sterben wäre das für die Behörden nicht so dramatisch.

Trotz dieser Widrigkeiten besitzt das erste Drittel des Films einen gewissen Charme und eine unterhaltsame Leichtigkeit. Selbst diese wirkt jedoch zum Teil etwas künstlich, durch den offensichtlich nachträglichen Einsatz eines lockeren Pop-Soundtracks. Der Bruch in der zweiten Hälfte des Films, die deutlich düsterer inszeniert ist, wirkt umso deplatzierter. Berichte, dass hier durch das Studio massive Eingriffe in den finalen Schnitt erfolgten, scheinen plausibel, machen diese Ungereimtheiten aber nicht besser. Autor und Regisseur Ayer mag ja packende Dramen (Training Day, End of Watch) erzählen können. Einer Comicverfilmung eine plausible und packende Handlung zu spendieren, ist ihm nicht gelungen. Denn auch abgesehen von den Eingriffen durch das Studio, wirken die Dialoge oft flach und die Rahmenhandlung uninspiriert.

Optisch bedient sich Ayer der gleichen düster ausgebleichten Farbpalette aus Grau- und Blautönen wie schon Zack Snyder in Batman v. Superman. Zur Ersten, eher abenteuerlichen Hälfte des Films passt dies überhaupt nicht. Harley Quinn und der Joker sind die einzigen Ausnahmen und bringen etwas Farbe in diese sonst so depressiv wirkende Welt. Erstaunlich ist auch, dass sich ein Studio wie Warner Bros. mit einer Endschlacht-Sequenz zufrieden gibt, die optisch in Teilen äußerst billig daher kommt. Für ein Budget von 180 Millionen US-Dollar sollte man etwas mehr erwarten können als einen riesigen fliegenden Schrott-Ring.

Fazit:

Es ist fast traurig wie allumfänglich Suicide Squad gegen die Wand fährt. Das Konzept hat so viel Potenzial. Eine bunte, skurrile Gruppe aus Anti-Helden und Verbrechern, die gezwungen sind die Drecksarbeit für die Regierung zu machen. Das Ganze garniert mit Superkräften. Das klingt nach einem Rezept für beste Unterhaltung. Wie das gelingen kann, zeigt der animierte Film, der auf der gleichen Vorlage basiert. Wer also Lust auf einen gelungenen Suicide Squad-Film hat, sollte zu „Batman: Assault on Arkham“ auf DVD oder BluRay greifen, statt Geld fürs Kino auszugeben und sich dieses Debakel anzusehen. Denn hier wurde aus all den guten Zutaten nur ein unverdaulicher Brei.

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DC auf Selbstmordkurs

Spass
Story
Qualität
Suicide Squad ist eine unausgegorene Mischung aus eindimensionalen Charakteren, mittelmäßiger Action und einem schwachen Drehbuch voller Logikfehler und schlechter Sprüche. Die nachträgliche Veränderung des Schnitts versetzt dem ganzen den Todesstoß. Viel verschenktes Potenzial.
Enttäuschend
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