Star Trek: Beyond – Der Weltraum, unendliches Mittelmaß

„Darüber hinaus“ soll es gehen, mit „Star Trek: Beyond“. So zumindest die wörtliche Übersetzung des Titel-Zusatzes „Beyond“, der neusten Star Trek Fortsetzung. Das wäre bitter nötig nach dem erzwungenen Melodrama des letzten Titels „Into Darkness“ – ein Film den Trekkies zum schlechtesten aller Zeiten kürten. Stattdessen zieht sich Star Trek: Beyond auf bekanntes Terrain zurück und liefert Standardkost nach Plan.

Science – Fiction nach Schema F

Die Crew der Enterprise wird hastig zu einer Rettungsmission gerufen, angeblich um gestrandete Überlebende zu retten. Noch bevor die Crew einen Fuß auf den Planeten setzen kann, wird das Schiff von einer Art mechanischem Bienenschwarm attackiert. Dessen Anführer Krall (Idris Elba), ein tyrannischer Lebenskraft-Vampir, hat noch eine Rechnung mit der Föderation offen. So weit, so alt bekannt. Die Handlung setzt auf eine bekannte und bewährte Struktur und fühlt sich deutlich mehr nach einer (sehr teuren) zweistündigen Version einer TV-Episode der Originalserie an. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, doch gelingt dieser Transfer nur sehr begrenzt.

Zum einen tritt die Handlung zu schnell in den Hintergrund da Beyond ein Effektfeuerwerk loslässt, dass nur allzu selten unterbrochen wird. Für nachdenkliche Momente, tiefgehende Dialoge oder Charakterentwicklung, wie sie die Serie ausgezeichnet hat, bleibt nur wenig Zeit. Dieser Kontrast zwischen Star Trek- Filmen und Serien ist nicht unbedingt etwas neues, aber „Beyond“ ist es eben auch nicht. Hier wäre mehr Balance gefragt.

Auch stellt sich zwischenzeitlich beim Zusehen eine Ermüdung ein, die der eher ungeschickten Umsetzung vieler Action-Sequenzen geschuldet ist. Während die Kämpfe am Boden überzeugend choreographiert sind, plagen die monumentaleren Action-Szenen einige Probleme. Während die Vorgänger aus dem Hause Abrams sich den Vorwurf gefallen lassen mussten, es mit Lens Flare etwas zu gut zu meinen, hat Beyond das gegenteilige Problem. Es lässt den Zuschauer wortwörtlich im Dunkeln sitzen. So sind viele Action-Sequenzen nicht nur unübersichtlich hektisch geschnitten, sondern zum Teil so dunkel, dass die Übersicht über das Geschehen vollends verloren geht. Der 3D-Effekt, der in Beyond keinen wirklichen Mehrwert bietet, desorientiert den Zuschauer zusätzlich. Hier hätte sich Justin Lin, der für den Titel die Regie übernahm, das „weniger ist mehr“ Mantra ins Gedächtnis rufen sollen.

Von starken Protagonisten und schwachen Gegenspielern

Und doch ist Star Trek: Beyond keinesfalls ein schlechter Film. In seinen ruhigen Szenen, tritt die Stärke des Franchises insgesamt hervor: Die Charaktere. Die wenigen Momente die Spock, Kirk und Bones miteinander agieren, zeichnen ein glaubwürdiges Bild ihrer tiefen Freundschaft und gehören zu den stärksten Momenten des Films. Auch Neuzugang Jaylah, herrlich gespielt von Sofia Boutella, bringt sowohl amüsante Dialoge wie auch Dynamik in den Film und erinnert in ihrer taffen Selbständigkeit etwas an Rey aus Star Wars: Das Erwachen der Macht. Die Parallelen ihre Vergangenheit zu der von Kirk werden jedoch nur knapp angerissen. Eine stärke des Drehbuchs ist erneut der Humor, vor allem der des richtigen Timings, welcher wie in den Vorgängern für viele Lacher sorgt. Hier merkt man die Stärke des Drehbuch-Co Autors Simon Pegg der außerdem erneut die Rolle von Ingenieur Scotty mit viel Humor verkörpert.

Sofia Boutella Jaylah

Mit der taffen Jaylah (Sofia Boutella) legt man sich besser nicht an.

Leider schafft es Beyond nicht ein Motiv in Form eines roten Fadens zu spinnen, welches über das sehr grundlegende „Einigkeit ist gut“ hinausgeht. Gerade in unser zunehmend düsteren Popkultur, hätte man sich eine etwas vertiefte Darstellung der utopischen Prinzipien des Franchises gewünscht, diese bleiben aber Randnotiz. Dieses verschenkte Potenzial, ist auch beim Gegenspieler auszumachen. Die beeindruckende Präsenz von Idris Elba wird mit wenig Nuancen eingesetzt und wirkt, mit Ausnahme des letzten Aktes, eher plump. Seine Motive scheinen wenig plausibel für das Ausmaß seiner Taten und Andeutungen auf ein möglicherweise rassistisches Motiv demgegenüber die Toleranz und Offenheit der Föderation steht bleiben äußerst vage und letztendlich wenig plausibel.

Untermalt wird dieser Tonus, des eher oberflächlichen Spaß-Films auch im finalen Akt, dessen Plot-Twist bei einigen Erinnerungen an den ersten Independence Day wachrufen dürfte. So kulminiert dieser zwar in einer grandios inszenierten Action-Szene, die allerdings mit Science-Fiction wenig bis gar nichts zu tun hat. Wer den Trailer gesehen hat, sollte allerdings auch nichts anderes erwarten.

Schlussendlich bietet Star Trek: Beyond recht adequate, actionreiche Unterhaltung und einige liebenswerte Charaktermomente, verpackt in einer wenig überraschenden Handlung. Das fehlen von Innovation oder Tiefgang und die zum teil eher desorientierend Effekte verhindern jedoch einen wirklich runden Film.

(40722)

Der Weltraum, unendliches Mittelmaß.

Spass
Story
Qualität
Wer dringend seine Star Trek- Dosis benötigt oder kurzweilige Sci-Fi Unterhaltung sucht und einige Schwächen verzeihen kann, ist hier richtig. Alle anderen warten besser auf die Blu-Ray.
Nur für Fans
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